Gamification im E-Commerce: Definition und Beispiele

Aleksandra Owczarek
Aleksandra Owczarek | 5 min Lesezeit

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Deutschland ist bekannt für seine Liebe zu Gesellschaftsspielen. Gerade während der Pandemie haben viele diese Art des Zeitvertreibs wieder für sich entdeckt. Doch das Prinzip des Gewinnens und Verlierens fanden schon unsere Vorfahren 3200 vor Christus interessant. Aus dieser Zeit stammt nämlich das älteste Brettspiel der Welt. Es liegt also in der Natur des Menschen, gerne zu gewinnen. Denn wer gewinnt, setzt Glückshormone im Gehirn frei. Und diesen einfachen Grundsatz nutzt man gerne kontextübergreifend auch im E-Commerce. Es wird versucht, Nutzer*innen einer App oder Online-Shopper*innen dazu zu motivieren, ein Produkt zu nutzen, indem man ihnen einen Gewinnanreiz bietet. Man nenn dieses Prinzip auch Gamification. 

Gamification Definition

Gamification ist die Nutzung spielerischer Elemente im spielfremden Kontext. Die Anwendungsfelder reichen vom E-Commerce, über Fitness bis hin zur Arbeitswelt. Je nach Bereich wird Gamification gerne zur Kundenbindung und Motivationssteigerung genutzt. So können Kund*innen z.B. an Gewinnspielen teilnehmen oder Punkte beim Einkaufen sammeln. Mitarbeiter*innen können auf interaktive Art Aufgaben erledigen oder knifflige Probleme lösen und so ihren Effizienz-Score verbessern. Gamification ermöglicht es auch, komplexe Zusammenhänge einfach darzustellen.

Die Psychologie hinter Gamification

Gamification macht vor allem eines: Es weckt Emotionen. Und Emotionen sind etwas, das in der digitalen Welt nur selten anzutreffen ist. Es gibt Menschen jedoch auch Kontrolle. Ob Nutzer*innen das Quiz lösen oder überhaupt erst beginnen, liegt allein in ihrer Hand. Spielt man das Spiel im Team und sammelt gemeinsam Punkte, gibt es zudem ein Zusammengehörigkeitsgefühl

Zugegeben, in vielen Gamification-Beispielen sind Quizfragen oft trivial. Gerade im Fernsehen sind Fragen anzutreffen, die nahezu jeder/jede beantworten kann. Sie sollen die Zuschauer*innen in erster und einziger Linie zum Teilnehmen bringen. In unabhängigen Institutionen oder E-Learning-Plattformen jedoch zielt der Quiz-Spaß darauf ab, das Wissen der Menschen in einem bestimmten Themengebiet zu erweitern. Und wir Menschen eignen uns gerne Wissen an. Alles, was wir tun, tun wir, um etwas zu erreichen. Erreicht man also das erwünschte Ziel, waren wir erfolgreich. Gamification triggert also unser Belohnungssystem. All die genannten Verhaltensmuster werden durch einen intrinsischen Wunsch angetrieben, nicht etwa durch äußere Einflüsse. Und passiert etwas durch unseren inneren Antrieb, passiert es zwanglos.

Welche Probleme Gamification im E-Commerce löst

Zu den größten Herausforderungen, mit denen Unternehmen sich konfrontiert sehen, ist, Kund*innen zu binden und Vertrauen zu schaffen. Gerade zu Zeiten der Digitalisierung wird Marketing oft zu aggressiv und penetrant durchgeführt. Verbraucher*innen fühlen sich regelrecht genervt und von Reizen überflutet, gerade zu Zeiten der Digitalisierung. 

Viele Unternehmen machen den Fehler, ihre Kund*innen „zu sehr“ überzeugen zu wollen, was bei diesen ein falsches Bild vermittelt. Hinzu kommt eine große Produktvielfalt, die in der digitalen Welt gegeben ist. Zu viele Optionen überfordern uns Menschen. Das sog. Auswahlparadox kommt zum Tragen. 

Gamification löst all diese Probleme auf deutlich sanftere Art. Komplexe Inhalte werden auf das Wichtigste reduziert, was das Problem der zu großen Auswahl und Überforderung löst. Dank der spielerischen Art bekommen Nutzer*innen nicht das Gefühl, zu etwas gedrängt zu werden. Denn es liegt in ihrer Hand, ob sie am Game teilnehmen, oder nicht. Dabei rückt oft das eigentliche Ziel, z. B. ein Produkt zu verkaufen, in den Hintergrund.

Gamification Beispiele im E-Commerce

Besonderen Anklang findet Gamification im Online-Geschäft. Denn mittels Gamification beschäftigen sich Nutzer*innen mit einer Marke. Wird das Prinzip des Punktesammelns angewendet, interagieren Nutzer*innen über einen längeren Zeitraum mit ihr. Das schafft Kundenbindung, kann aber auch Neukund*innen anziehen. 

Handelt es sich um ein Gewinnspiel, wird das natürliche Bedürfnis der Menschen genutzt, sich mit anderen zu messen. Als Anreiz dienen Medaillen oder Schwierigkeitsgrade. Es werden Glückshormone freigesetzt und die Plattform wird durch spielerische Elemente nutzerfreundlicher. 

Kommen wir nun zu handfesten Gamification-Beispielen aus dem E-Commerce. Vielleicht können Sie das ein oder andere Game auf Ihr Unternehmen übertragen. 

Aldi Gamification

Gamification Aldi
Bildquelle: Aldi Gaming

Aldi hat eine ganze Plattform unter dem Namen Aldi Gaming geschaffen. Auf YouTube gibt es interaktiven Spaßcontent, aber auch Educational Content und Ideen zum Nachmachen. Auf Twitch wird gestreamt und gezockt: Von Super-Mario bis hin zur Halloween-Edition gibt es alles, was das Gaming-Herz begehrt. Wer nicht genug bekommen kann, kann im Aldi Gamingshop für weiteren Spielspaß sorgen.

Landskron Gamification

Landskron Gamification
Bildquelle: Landskron

Hier dreht sich alles den guten alten Bierdeckel. Ein ganzes Jahr lang können Bierliebhaber*innen einen Code im Bierdeckel scannen, Punkte sammeln und einen VW Taigo gewinnen. Alles, was man dazu braucht, ist die Landskron-App und ein wenig Glück im Leben. Jeder registrierte Kronkorken hat eine Chance auf den Hauptgewinn. Mit jedem 200. registrierten Kronkorken bekommt man ein Bierpaket mit einer beliebigen Sorte. 

Gamification für das Klima

Gamification Stadtradeln
Bildquelle: Stadtradeln

21 Tage lang radeln, statt Auto fahren und CO₂ vermeiden. Ob Sie nie, nur gelegentlich oder bereits täglich Rad fahren, spielt dabei keine Rolle. Wichtig ist, dass man autofreie km zurücklegt. Wer interessiert ist, sollte zuerst einmal schauen, ob die jeweilige Stadt, Gemeinde oder der Landkreis teilnimmt. Mit der Stadtradeln-App wird die Strecke getrackt und man kann im Team Kilometerpunkte sammeln und CO₂ vermeiden. Zu gewinnen gibt es tolle, klimafreundliche Preise wie z. B. Fahrradtaschen oder Edelfahrräder. Mit der App kann man aber auch Schlaglöcher oder plötzlich endende Fahrradwege melden. 

Gamification und Punkte sammeln

Gamification DeutschlandCard
Bildquelle: DeutschlandCard

Eines der bekanntesten Beispiele für das Punktesammeln ist wohl ist die DeutschlandCard. Beim täglichen Einkaufen, ob online oder offline in stationären Geschäften, kann man nahezu nebenbei Punkte sammeln und Prämien gewinnen. Ein sehr beliebtes Gamification-Beispiel in der Weihnachtszeit ist der allseits beliebte Adventskalender. Denn Türchen kann man auch online öffnen. Bei der DeutschlandCard muss man diese jedoch zuerst in einem Wimmelbild finden. Hinter den Türchen warten Coupons, Prämien und Rabatte. Wer gerne Rätsel löst, kommt ebenso auf seine Kosten. Mitquizzen kann jeder/-e der/die die Deuschlandcard App heruntergeladen hat. Es gibt nicht nur Zusatzpunkte, sondern auch monatlich 1 von 20 Smartphones zu gewinnen. 

Gerolsteiner goes Vanlife

Gerolsteiner Gamification
Bildquelle: Gerolsteiner

Auf Social Media gibt es mittlerweile jede Menge Reisevideos. Besonders beliebt sind Reisen mit dem Camper Van. Die einen träumen von ihrer Karriereleiter, die anderen von spannenden Bulli-Roadtrips. Manche verbinden sogar ihr Berufsleben mit dem Reisen. Um Menschen diesen Traum zu verwirklichen, verloste Gerolsteiner einen VW T6 California Camper Van. Die Regeln sind: Instagram-Account folgen, Beitrag liken und ein Formular ausfüllen, um in den Lostopf zu kommen. Doch auch hier darf das Gamification-Element nicht fehlen. Auf der Aktionsseite von Gerolsteiner gibt es nicht nur eine Spotify-Van-Playlist, sondern auch ein Roadtrip-Bingo zum Herunterladen.

Gamification für Kinder (und Erwachsene)

Gamification für Kinder

Man kann auch verkaufen, ohne wirklich zu verkaufen. Die Hauptzielgruppe einer spanischen Süßigkeitenmarke sind Kinder. Und wie kann man Kinder am besten für sich gewinnen? Durch spaßige Aktivitäten. Also setzt das Unternehmen auf gebrandete Verpackungen. Diese sind vollflächig mit Ausmalbildern bedruckt. In diesem Falle setzt die Gamification zwar nach dem Kauf ein, es ist jedoch ein tolles Beispiel dafür, wie man eine Beziehung zu Verbraucher*innen aufbaut, ohne dabei aufmüpfig zu sein. Hier wird nicht nur die Kreativität geweckt, sondern auch noch sinnvoll beschäftigt.

Individuelle Ausmalboxen gestalten

 

Spielerisch Sprachen lernen

Gamification Duolingo

Sprachen lernen wird oft mit langweiligen Vokabeltabellen, Sprachschulen und Grammatikbüchern verbunden. Und das kostet Überwindung. Doch das muss nicht sein. Mittlerweile gibt es zahlreiche Apps, die Nutzer*innen die Möglichkeit geben, in den eigenen 4 Wänden zu lernen und dann auch noch Spaß dabei zu haben. Duolingo z.B. bietet auch die Möglichkeit, anderen Teilnehmern zu folgen, ihnen zu gratulieren oder gemeinsam Punkte zu sammeln. Mit dieser Art von Gruppengefühl ist die Wahrscheinlichkeit, einen Sprachkurs erfolgreich zu beenden, um 5,6 % höher

Kompakt verpackt

Die Integration spielerischer Elemente in Nicht-Spiel-Kontext löst viele Probleme entlang einer sog. Customer Journey. Gamification steigert die Zufriedenheit, ermöglicht soziale Interaktion und ruft positive Emotionen hervor. Ob Sie Kund*innen mit virtuellen Urkunden oder Vergünstigungen belohnen, bleib Ihnen überlassen. Auch Sie können bei der Wahl spielerischer Elemente kreativ werden. Stellen Sie einfache, menschliche Bedürfnisse in den Fokus und der Rest kommt von allein.    

Verpackungen für den Onlinehandel

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